Der Geruch der Erde

Der Geruch der Erde ist die Geschichte einer algerischen Frau, die in armen Verhältnissen aufgewachsen ist. Die sozialistische Regierung fördert sie. Dennoch erkennt sie schon früh die Unvereinbarkeit von Sozialismus und Tradition. In diesem Spannungsfeld entfernt sie sich immer stärker von ihrer Familie.

Allerdings erschwert ihr die Mutter die Ablösung, indem sie klammert und gleichzeitig kritisiert. Sehr bald bemerkt sie, dass der politische Anspruch auf Gleichberechtigung der Frau an der islamisch geprägten Wirklichkeit zerbricht. Dieses verstärkt sich, als das linke System zusammenbricht. Unter diesem Druck, aber auch angezogen von der Vorstellung von Freiheit in der westlichen Gesellschaft, entschließt sie sich, ihr Land zu verlassen und in Deutschland neu anzufangen.

Aber in Deutschland stürzt sie in eine Indentitätskrise, deren Höhepunkt ein Suizidversuch darstellt. In diesem zerissenen Zustand erinnert sie sich ihrer zarten und platonischen Liebe zu ihrem langjährigen Mitschüler in Algier, Djamel. Trotz der Zerwürfnisse und Zwänge fühlt sie eine tiefe Dankbarkeit. Anlass zum Lieben gehabt zu haben. Die Hartnäckigkeit dieser Liebe beginnt sie mehr als je zuvor zu faszinieren. Dies stärkt ihr Selbstwertgefühl und hilft ihr, weitere Turbulenzen des Lebens durchzustehen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, öffnen sich für sie ganz neue Türen.

 

 
ISBN:  978-3-8334-6099-9


Rezensionen zum Buch

Rezension zu Aida Restorff „Der Geruch der Erde“

Für manche Menschen hält das Leben an Höhen und vor allem Tiefen mehr bereit, als es für den einzelnen überhaupt erträglich ist. Und doch scheinen solche Charaktere an ihren Schwierigkeiten zu wachsen. Die Kämpfe mit den Widrigkeiten des Alltags, der Herkunft oder den sozialen Bedingungen multiplizieren sich beispielsweise in der Emigration um den Faktor Fremdheit ins Vielfache. Vor  solchen Tatsachen verschließen wir nur zu gern die Ohren, sie stören mit ihren elementaren Nöten unsere kleinlichen Alltagsquerelen. Aida Restorffs Roman „Der Geruch der Erde“ schildert diesen Kampf um die elementarsten Selbstverständlichkeiten: das Recht auf Bildung, Selbstbestimmung, auf seelische und körperliche Unversehrtheit

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Ungefähr zu dieser Zeit brachen in Algerien die ersten großen Auseinandersetzungen zwischen der mittlerweile verbotenen fundamentalistischen „Front Islamique du Salut“ FIS und der totalitär-sozialistischen Regierungspartei FLN, der „Front de Libération National“ aus, die das zweitgrößte Land Afrikas seither in einer Art permanenten Bürgerkrieg halten. Doch schon davor gerät die Protagonistin durch ihre privilegierte Stellung als Gymnasiastin und später als Studierende in permanenten Konflikt zu den überkommenen Werten ihres armen, aber traditionsbewussten Elternhauses. Wie einengend diese Welt ist, wird deutlich, als die Studentin mit  zwei ihrer jüngeren Geschwister erstmals einen Urlaub in einem Studentencamp verbringt, der fast zur Offenbarung wird:

Die unerfüllte Liebe zu ihrem ehemaligen Studienkollegen Djamel, die empfundene Kälte in der eigenen Familie, an der Uni und bald darauf am Arbeitsplatz lassen der jungen Frau die Aussicht auf ein Auslandsstudium wie der Gang ins Paradies vorkommen.Doch einmal in Deutschland, zerbricht sie hier beinahe an der sie alltäglich umgebenden Gleichgültigkeit und der permanenten Überforderung durch ein Studium in fremder Sprache, dem sie nur einen 4-monatigen Sprachkurs des Goethe-Instituts entgegensetzen kann. Als plötzlich das Stipendium gestrichen wird, scheint die Lebensplanung völlig zusammenzubrechen.


Aida Restorff’s Romanerstling „Der Geruch der Erde“ ist ein eindrucksvoller Bericht aus dem Inneren der algerischen und deutschen Gesellschaft. Ihr unverfälschter Blick auf innergesellschaftliche Zustände und Zusammenhänge, ihr Gespür für menschliche Nöte und Unzulänglichkeiten, der weibliche Blick auf Diskriminierung und Ungleichbehandlung in beiden Nationen machen das Buch zu einer packenden Sozialstudie jenseits von Larmoyanz und Selbstbespiegelung. Im Gegenteil, die mutige Kritik an den pseudo-sozialistischen Fassaden in der algerischen Heimat in Gegenüberstellung zur sozialen Kälte in der Bundesrepublik, die klare Sicht auf die starre, mit dem Islam legitimierte Rollenzuweisung der Frau fesseln und irritieren.

Radio FLORA, Sendung: „Literaturszene Hannover“
Autor: Johannes Schulz


Der Geruch der Erde - ein Titel der stetig das Sehnen nach Bodenständigkeit umkreist. Hierbei begreift die Autorin Bodenständigkeit als treibende Kraft unseres Lebens.

Ein weiterer Mittelpunkt ist das Wechselverhältnis von Sozialisation und Individualisierung. Gekonnt sichtbar gemacht auch im Zusammenspiel ästhetischer Erfahrung und gegenständlicher Reflexion. Soll mit diesem Buch in das Leben des Lesers eingegriffen werden? Ist dieses nicht eine "große Illusion" der zeitgemäßen Literatur? Oder gehört diese Frage zum Grundverständnis von Kunst überhaupt, im ewigen Spannungsfeld von Phantasie und Wirklichkeit?

Der Pathos erscheint in diesem Buch weg gearbeitet zu sein. Aber die Leidenschaft bleibt jeden Augenblick zu spüren. Hier ergreift den Leser das Unmittelbare, das nicht Vermittelte. Am Ende schließt sich der Kreis. Der Anfang wird wieder behutsam berührt ohne den Anspruch einer Antwort.

In diesem Buch löst sich Geschichte in Geschichten auf. Trotzdem ergeben die Geschichten eine Entwicklung, der jeweils eine Funktion des Ganzen zukommt. Die politischen Hintergründe, die gesellschaftlichen Brüche, werden selten ausdrücklich thematisiert und bleiben trotzdem ständig gegenwärtig.

Aida Restorff erzählt nicht linear, sondern in einer Reihe gegenläufigen Bewegungen. Hierdurch entsteht eine Konstruktion ihres Ichs, bei der sie eine gewisse Distanz behält.

Müssen wir immer alles verstehen, um es gut zu finden? Ich glaube nicht. Manches gezeichnete Bild bleibt unvollendet, offen. Eine Aufforderung an den Leser, nicht im diskursiven Denken stecken zubleiben.

Beim Lesen dieses Buches spüre ich, wie sich Hoffnung, Sehnsucht und Fernweh in einem großen Traum verbinden. Bei der Beschreibung dieses Traumes stößt das Denken an eine unüberwindliche Grenze. Dieses macht Aida Restorff eindrucksvoll wahrnehmbar. Sie überwindet diese Grenze mit ästhetischen und künstlerischen Mitteln und lässt uns Lesern wohltuend Platz für eigene Empfindungen.

Jörg Vandreier


Zwischen zwei Welten

Der Geruch der Erde ist die Geschichte einer algerischen Frau. Im sozialistisch geprägten Algerien wird sie gefördert und kann studieren, doch in ihrem Job als Bauingenieurin holt sie das Patriarchat ein.
So nutzt sie ein DAAD-Stipendium, um nach Deutschland zu entkommen. Hier fühlt sie sich aber bald schon angeschlagen und krank.
Die Erinnerungen wühlen in ihr, und plötzlich sieht sie sich mit zwei Welten konfrontiert, die sie gleichermaßen ersticken.

Eindringlich, einfach, mit bezwingender Authentizität beschreibt Aida Restorff diese schwierige Gratwanderung.

Evelyn Beyer
Neue Presse Hannover



 

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